Wir kannten ja alle Daten der Costa Concordia. Haben oft genug im Internet nachgelesen, uns die Bilder betrachtet, sind virtuell über die Decks gegangen, um auf die Dimensionen vorbereitet zu sein. Was dann aber nach der letzten Biegung der Uferstraße in Savona auftauchte, hat all unsere Vorbereitungen Lügen gestraft: Da lag ein Koloss, eine schwimmende Stadt.
Dreizehn Stockwerke ragten aus dem Wasser, fast ein Hochhaus. - So weit, so gut.
Nach den Oho- und Aha-Rufen, übrigens nicht nur von uns, begann der Ernst, die Vorbereitungen zur Einschiffung. Wir stellten uns, schon gestresst durch die lange Busfahrt, auf große Warteschlangen und Gedränge ein. "Erfahrene" Mitreisende, jede Gruppe kann diese Spezies aufweisen, warnten uns vor der Bürokratie der Italiener, die in das Bild des "dolce far niente" so garnicht passen würde.
Alle wurden Lügen gestraft: Eine nette, deutschsprechende Dame stieg in den Bus und verteilte Einschiffungsnummern. Das Problem Warteschlange war damit schon gelöst.
Jeder Einschiffungsnummer wurde eine ca. Zeit zugeteilt, die dann im großzügigen Terminal von Costa, bis auf einige Minuten genau, eingehalten wurde. Innerhalb weniger Augenblicke war die Einschiffungsprozedur erledigt.
Der übliche Sicherheitscheck, Passkontrolle, und wir waren im Schiff!
Schiff?
Eine Halle, wie sich später herausstellte die Hauptbar, viele Stockwerke hoch, sehr farbenfroh ausgestaltet (Wer sagt da kitschig?), gläserne Aufzüge, erwartete uns. Da es Mittagszeit war lud man uns auf Deck neun zu einem Mittagsimbiss ein. Erste Eindrücke von der Küche.
Die Kabine war dann leicht gefunden. Übertraf dann deutlich die Erwartungen, Balkon nach hinten, sehr groß.
Auch die Bordkarten, Schlüssel und Identfikation, lagen schon auf dem Bett. Dass die Koffer erst später eintrafen, mag an der großen Anzahl der Passagiere liegen. Im Laufe der weiteren Reise bemerkten wir übrigens, dass das Kabinenpersonal besonders aufmerksam war. So wurden die Handtücher zweimal täglich gewechselt, täglich das "today", die Bordzeitschrift, abgegeben, auch gab es gedruckte Nachrichten in deutscher Sprache, fast täglich. Und wer dann noch Zeit gefunden hatte, konnte sich auch im TV weiterbilden. Zwei deutsche Programme (ARD und ZDF) waren täglich, unabhängig vom Standort des Schiffes, verfügbar.
Das Abendessen wird in zwei Tischzeiten eingenommen. Die Einteilung geschah ohne unser Zutun. Wir waren damit zufrieden. Die erste Tischzeit dürfte wohl für uns Deutsche eher geeignet sein, die zweite, spätere, entspricht wohl mehr der italienischen Mentalität.
Auch nach dem Abendessen gab es noch viele Möglichkeiten der Zerstreuung. Entweder man geht in eine der zahlreichen Bars mit Lifemusik. Der "Today's Cocktail" ist einigermaßen günstig, oder man macht es sich im Theater bei recht professionellen Bühnenshows gemütlich. Um die Bühnen-, Ton- und Lichttechnik würde sich wohl manches Theater auf dem Festland reißen!
Wenn man die sechs oder sieben Gänge beim Abendessen scheut, leider innerhalb einer Stunde serviert, wohl wegen der wartenden zweiten Sitzung, kann seine Mahlzeiten auch in diversen Selbstbedienungsrestaurants einnehmen.
Besonders vielleicht für Familien mit Kindern empfehlenswert, denn dort gibt es Pizza und Pasta satt. In manchen Häfen werden auch Spezialitäten des gerade angelaufenen Landes angeboten.
Zum Mitternachtsbuffet haben wir es nie geschafft! Da waren wir schon längst eingeschlafen, sanft eingelullt vom Meeresrauschen durch die offene Balkontür.
Die Organisation der Landausflüge funktionierte stets. Verzögerungen gab es nur immer wieder durch einzelne Zeitgenossen denen es gefiel, mal eben einen Bus mit 40 Mitreisenden eine viertel Stunde warten zu lassen. Brauchten sie wohl für die Psyche. Das Angebot an Landausflügen ist groß. Die Preise sind happig, besonders wenn man an die eine oder andere geschickt eingebaute Verkaufsveranstaltung denkt. Die Ausflüge sollte man unbedingt schon von zu Hause aus im Internet buchen. Auf dem Schiff steht man dafür sehr schnell in einer langen Warteschlange, auch an den Automaten.
Leider ist unser "Lieblingsausflug" ausgefallen. Möglicherweise wegen zu geringer Teilnehmerzahl. "Zu viel Kultur", meinte man abends sarkastisch, in unserer sehr netten Tischgesellschaft.
Das Personal, besonders im Gastronomie- und Hotelbereich, war sehr freundlich und zuvorkommend. Im mehr administrativen Bereich kann mitunter auch schon eine kleine, berechtigte Reklamation zu einer unangemessenen Reaktion führen.
Im übrigen schaden Kenntnisse in Englisch oder Italienisch in solchen Fällen nicht.
Organisatorisch ungeschickt ist die Registrierung der Kreditkarte zur Bezahlung der Ausgaben an Bord. Hierbei entstehen lange Schlangen. Und man will ganz einfach nicht in den ersten beiden Tagen der Reise wertvolle Urlaubsminuten der verbesserungsbedürftigen Organisation opfern!
Es soll auch nicht verschwiegen werden, dass die Getränkepreise recht happig sind. 4,50 Euro plus Bedienung für ein (vor)gezapftes Bier! Die billigste Flasche Hauswein 18 Euro. Schon etwas hoch.
Es ist deshalb ein Rechenexempel, ob man das Getränkepaket zu 11 Euro pro Person dazubuchen sollte. Gilt leider nur für die Essenszeiten und muss auch von der zweiten Person in der Kabine gebucht werden.
Insgesamt bleibt aber ein sehr guter Eindruck von der Reise auf der Costa Concordia. So gut, dass wir wieder mit Costa reisen werden.
Die Reise hat, sozusagen über Nacht, aus einem Kreuzfahrtmuffel einen begeisterten Kreuzfahrtfan gemacht.
Fazit:
(Fast) uneingeschränkt empfehlenswert!